Zu viele oder zu wenige Fachkräfte?
aboutpixel.de© Anna NymArtikel aus dem Online Portal der Frankfurter Rundschau von Eva Roth:
Die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung streiten über den Fachkräftebedarf in Deutschland. Karl Brenke sagt, es könnte sogar in manchen Branchen eine Fachkräfteschwemme geben. Unsinn, sagt sein Chef Klaus Zimmermann.
Leidet Deutschland unter einem Fachkräftemangel? Nein, meint der Arbeitsmarktforscher Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Gerade die Industrie kann derzeit nicht
über Fachkräftemangel klagen“, befindet der Wissenschaftler und verweist darauf, dass es dort immer noch sechs Prozent weniger Arbeitsplätze gibt als vor der Krise.
Brenke hat sich für eine Studie insbesondere naturwissenschaftlich-technische Berufe und Facharbeiterjobs angesehen, die für die Industrie typisch sind. In fast all diesen Berufen liege die
Arbeitslosigkeit noch deutlich über dem Vorkrisenniveau. Das gelte auch für Maschinenbau- und Elektroingenieure.
Auch in den nächsten fünf Jahren sei nicht damit zu rechnen, dass es in solchen Berufen einen „starken Engpass gibt“. So sei die Zahl der Ingenieurstudenten seit 2007 „sprunghaft“ gestiegen.
Womöglich hätten viele sogar Probleme, einen Job zu finden: „Wir können nicht ausschließen, dass wir in manchen Branchen eine Fachkräfteschwemme haben werden“, warnt Brenke in seiner Studie, die im
aktuellen DIW-Wochenbericht veröffentlicht ist.
Klaus Zimmermann – Brenkes Chef – sieht das ganz anders. Der DIW-Direktor hat sich in dem Wochenbericht ebenfalls zu Wort gemeldet und befindet: „Fehlende Fachkräfte kosten schon heute Wachstum und
Innovation.“ Künftig werde sich die Lage verschärfen, denn ab 2015 werde Deutschland einen „unabwendbaren demografischen Einbruch“ erleben. „Der Fachkräftemangel wird mittelfristig zum bestimmenden
Thema des Arbeitsmarktes“, prophezeit der DIW-Chef. Deshalb sei eine „arbeitsmarktorientierte Zuwanderung“ über ein Punktesystem nötig.
Der DIW-Wochenbericht sollte eigentlich schon am Dienstag veröffentlicht werden. Doch daraus wurde nichts, weil die Brenke-Studie „überarbeitet“ werden musste, so die Pressestelle. Zimmermann „hatte
den Wunsch, mit dem Autor noch einmal darüber zu reden“. Für Zimmermann, der bislang das Gegenteil von dem behauptet hat, was Brenke schreibt, ist die Situation unangenehm. Kritiker unterstellen ihm
schon lange, auf dem Schoß der Arbeitgeber zu sitzen. Der Autor versichert jedoch der FR, sein Chef habe ihn nicht zu inhaltlichen Änderungen gedrängt. Es sei lediglich darum gegangen klarzustellen,
dass er sich nur die Entwicklung in den nächsten fünf Jahren anschaut und nicht weiter in die Zukunft geblickt habe.
Hier folgen die DIW-Studie und der Kommentar zum downloaden:
DIW-Studie.pdf
PDF-Dokument [351.7 KB]
DIW-Kommentar.pdf
PDF-Dokument [150.8 KB]